Was ist der IDaHoBIT* und warum ist er so wichtig?

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von Johann Vohn

Der internationale Tag gegen Homophobie, Biphobie, Interphobie und Trans*phobie (IDAHOBIT*) wurde 2004 ins Leben gerufen um auf die Missstände der LGBTQIA*-Community rund um den Globus aufmerksam zu machen. Denn auch wenn Deutschland noch immer nicht in allen Bereichen die Rechte der LGBTQIA*-Community dem heterosexuellen Counterpart angepasst hat, so sieht es doch in vielen Teilen der Welt wesentlich schlimmer aus. In Russland sind positive Aussagen über Homosexualität per Gesetz verboten und auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind durch den Staat nicht anerkannt. Noch schlimmer trifft es LGBTQIA*-Menschen zum Beispiel im Iran oder in Saudi-Arabien sowie in 5 weiteren Staaten, in denen Homosexualität mit dem Tode bestraft wird. Dass dies nicht nur moralisch verwerflich ist, sondern schlichtweg gegen Menschenrechte verstößt, ist indiskutabel. Auch wir in Deutschland sind immer noch nicht so weit, dass die LGBTQIA*-Community mit der restlichen Bevölkerung Deutschlands gleichgestellt ist. So ist die Ehe exklusiv für Mann und Frau und es dürfen auch nur heterosexuelle Paare adoptieren.
Die Aufarbeitung des so genannten „Schwulenparagrafen“ geht, wenn auch reichlich spät, voran. Im letzten Jahr hat sich Bundesjustizminister Heiko Maas für einen Gesetzesentwurf zur Rehabilitierung und Entschädigung von Opfern des §175 eingesetzt – dass dieser kürzlich von der Bundesregierung beschlossen wurde, freut uns sehr, da es ein erster und wichtiger Schritt ist, die Würde der Menschen, die unter diesem Gesetz gelitten haben, wenigstens teilweise wiederherzustellen. Es wird also deutlich, dass wir noch einen sehr langen Weg vor uns haben, bis die sexuelle Ausrichtung oder Identität keine Rolle mehr spielt. Und genau deswegen ist der IDaHoBIT* so wichtig. Der Tag hält in Erinnerung und macht darauf aufmerksam, dass in vielen Regionen dieser Erde Menschen, die nicht der heterosexuellen Norm entsprechen, immer noch ausgegrenzt, verurteilt und im schlimmsten Fall ermordet werden. Und deswegen werden wir Jusos Aachen Stadt, wie auch in den vergangenen Jahren, wieder am Aachener IDaHoBIT* teilnehmen und für die Rechte der LGBTQIA*-Community auf die Straße gehen!

Welt-AIDS-Tag

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von Julius Schlumberger

Heute ist Welt-AIDS-Tag! Unter der Kampagne „Positiv zusammen leben“ machen weltweit Organisationen auf das weiterhin bestehende Problem im Umgang mit AIDS-Erkrankten aufmerksam. Weltweit gibt es etwa 36,7 Millionen Menschen mit HIV. Obwohl die Gefahr von AIDS bereits seit Jahrzehnten bekannt ist, fehlen weiterhin in einigen Regionen der Welt der Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten und eine umfassende Präventionskampagne. So kommt es pro Jahr zu ca. 2,1 Millionen Neuinfektionen – davon über 70% in Subsahara-Afrika.
In Deutschland ist aufgrund erfolgreicher Präventionsarbeit und effektiver Behandlungsmethoden die Rate an Neuinfektionen weltweit mit am niedrigsten. Dennoch müssen die etwa 85.000 Menschen mit HIV in Deutschland Diskriminierung und Ausgrenzung erleiden. Auch im Jahr 2016 führen irrationale Ansteckungsängste, Vorurteile und Unwissen über die Krankheit dazu, dass HIV-positive Menschen sowohl in Beruf, Familie, Freundeskreis und Öffentlichkeit Ablehnung, Beleidigungen oder sogar tätliche Angriffe fürchten müssen.
Wir wünschen allen einen guten Welt-AIDS-Tag und viel Mut, aufeinander zuzugehen, über die eigene Krankheit, Ängste und Einstellungen zu sprechen und dadurch ein positives Leben gemeinsam möglich zu machen.
Mehr Infos unter: http://www.welt-aids-tag.de/kampagne-2016/

Celebrate Bisexuality Day

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von Julius Schlumberger

Wir feiern heute am 23.09. zusammen mit allen bisexuellen Menschen und ihren Freund*innen den Tag der Bisexualität.
Menschen gelten als bisexuell, wenn sie sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. Der Feiertag geht dabei auf drei Aktivist*innen zurück, die seit 1999 am Geburtstag von Freddie Mercury, einer der wohl bekanntesten bisexuellen Personen, für mehr Offenheit gegenüber Bisexualität werben. Die Initiator*innen wollen damit die Vorkonditionierung der Gesellschaft kritisieren, dass eine Person entweder nur homosexuell oder nur heterosexuell sein kann. Denn obwohl zahlenmäßig die meisten innerhalb der LGBTQ– Bewegung (Lesbian, Gay, Bi, Transgender, Queer) bisexuell sind, ist diese Sexualität häufig weniger bekannt als Homosexualität.

Für mehr Infos besucht doch diese Websites:
http://www.hrc.org/blog/celebrating-bisexuality-day
http://lgbt.wikia.com/wiki/Celebrate_Bisexuality_Day

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Das * verwenden wir, um alle Menschen unabhängig ihres Genders zu berücksichtigen.

Die Wunden der Vergangenheit schließen: Für eine sofortige Rehabilitierung und Entschädigung für alle Opfer des Paragrafen 175!

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von Tim Münster

Rund eine Woche vor dem diesjährigen IDAHOBIT*, dem internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans*phobie am 17.5., hat Bundesjustizminister Heiko Maas angekündigt einen Gesetzentwurf einzubringen, der eine Rehabilitierung sowie Entschädigung für alle Opfer des §175 im Strafgesetzbuch vorsehen soll. Nach diesem Paragrafen, der 1872 im deutschen Kaiserreich eingeführt wurde und mehrmals abgeschwächt bis 1994 galt, mussten Männer, die den Geschlechtsverkehr mit anderen Männern vollziehen, eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe befürchten. Erst am 11. Juni 1994 wurde der umstrittene Paragraf abgeschafft- doch was bis heute bleibt sind tausende Opfer, die unter der Entwürdigung ihrer Menschlichkeit durch eine Verurteilung nach §175 StGB leiden müssen.
Insgesamt wurden in der Zeit nach 1945 ca. 53.500 Menschen nach §175 StGB zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt- für ein Land, dessen Verfassung den Schutz der Menschenwürde als „Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (Art. 1 Abs.1 Grundgesetz) sieht, ist das eine Schande. Doch auch mit der 1994 erfolgten Abschaffung des Paragrafen hätte man dieses dunkle Kapitel nicht so leichtfertig schließen dürfen: Die Urteile der Gerichte wurden nie aufgehoben, was nichts anderes bedeutet als dass weiterhin tausende Männer juristisch und oftmals auch gesellschaftlich nicht als Opfer sondern als Verurteilte angesehen werden.
Dass Heiko Maas diese Ungerechtigkeit mit der Einführung eines Rehabilitierungs- und Entschädigungsgesetzes für verurteilte homosexuelle Männer beenden möchte ist vollkommen richtig- der Staat hat sich nicht in die Frage einzumischen, welchem Geschlecht ein Mensch seine Zuneigung schenkt, daher muss dieser die Würde der Opfer des §175 StGB durch Wiedergutmachung wiederherstellen. Allerdings fragt man sich erstens, warum die Politik erst 1994 diesen umstrittenen Paragrafen aus dem Kaiserreich abgeschafft hat und zweitens, warum die Bestrebungen nach einer Rehabilitierung und Entschädigung für die Opfer erst dieses Jahr in einen konkreten Gesetzentwurf münden. In beiden Fällen kamen die Entscheidungen viel zu spät; ob man bei den Opfern überhaupt noch eine Wiedergutmachung, was nichts weniger als die Wiederherstellung ihrer vom Staat geschädigten Menschenwürde bedeutet, erreichen kann ist daher fraglich.
Es gilt festzuhalten, dass man auch bei der sexuellen Vielfalt der Menschen immer den Wandel der Zeit berücksichtigen muss. „Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum — besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“, sagte einst Willy Brandt, der 1969 den §175 StGB zwar nicht abgeschafft aber abgeschwächt hat- wohl unter dem Einfluss, dass die Gesellschaft zu dieser Zeit für eine Toleranz der sexuellen Vielfalt noch nicht fortgeschritten genug war. Heute allerdings sind die Gegebenheiten anders: Rund 70% der Deutschen sprechen sich für eine gleichgeschlechtliche Ehe aus. Man muss an die Politik appellieren in der Frage der sexuellen Vielfalt endlich mit der Zeit mitzugehen. Der Vorstoß von Heiko Maas für ein Entschädigungs- und Rehabilitierungsgesetz für die Opfer von §175 StGB ist ein erster Schritt, die Öffnung der Ehe für alle Menschen ist die nächste dringende Notwendigkeit.

Barrierefreiheit auf dem Prüfstand

von Philipp Bruhn und Thomas Lipke

Im Rahmen des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung haben wir am 5. Mai bei einem Spaziergang die Barrierefreiheit der Aachener Innenstadt getestet. Dazu begleiteten uns Menschen mit verschiedenen Behinderungen. Zum Einsatz kam neben einem Rolli und einem Rollator auch ein alterssimulierender Anzug. Außerdem trugen viele von uns Brillen, die verschiedene Seh- und Wahrnehmungsschwächen simulierten. Damit erfuhren wir am eigenen Leib, wie schwer die Bewältigung des Alltags mit Hör- und Sehschwäche sowie Beweglichkeitseinschränkungen sein kann, wenn öffentliche Orte nicht für alle Menschen baulich geeignet ausgelegt sind.

Kaum hatten wir unseren Rundgang begonnen, erzählte uns ein Teilnehmer, dass er die für seine Hochzeit notwendigen Termine beim Standesamt nicht selbst wahrnehmen konnte, da dort kein barrierefreier Zugang besteht. Als wir unseren Weg fortsetzten, begegneten wir direkt unserem ersten Hindernis: Die lückenhafte Verfugung des sowieso schon unwegsamen Kopfsteinpflasters im Bereich der Altstadt. Ein solcher Untergrund kann für einen Rollstuhl oder einen Blindenstock zu erheblichen Komplikationen führen.

Weiterhin fiel uns auf, dass entlang der Krämerstraße nur sehr wenige Geschäfte ohne Hilfe erreichbar sind, obwohl bauliche Anpassungen denkbar einfach erscheinen. Außerdem sind viele Restaurants und Cafés zwar barrierefrei zugänglich, bieten aber keine entsprechenden Sanitäranlagen, was den Besuch wiederum schwierig macht und die klein gedruckten Fahrpläne und die zu geringe Anzahl an Bushaltestellen mit elektronischer Vorlesefunktion stellen eine Herausforderung für Menschen mit Sehbehinderungen dar. Die Liste an Mängeln ließe sich an dieser Stelle noch beliebig fortführen.

Aber wie wir im Laufe des Spaziergangs aus den Gesprächen zunehmend erfahren konnten, ist das Unbehagen vieler Menschen mit Behinderung vor allem darin begründet, dass sie sich missverstanden fühlen. Die Möglichkeit, durch eine über Umwegen zu erreichende Hintertür in ein Gebäude zu gelangen, die ihnen nach vorheriger Absprache mit dem zuständigen Servicepersonal geöffnet wird, entspricht keiner Gleichberechtigung.

Wir sehen es als Missstand, dass sich jene Menschen für einige Besuche im Vorfeld anmelden sollen und am jeweiligen Tag, weil sie Hilfe benötigen, auch noch eine gewisse Vorlaufzeit kalkulieren müssen, damit sie pünktlich einen Termin wahrnehmen können. „Aussagen wie ‚der Raum ist zwar nicht barrierefrei zugänglich, aber wir tragen sie die Stufen hoch‘ sind zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht“, erzählte uns einer der Teilnehmer.

Immer und überall auf Hilfe angewiesen zu sein, kann daher schnell zur Belastung werden. Zur gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gehört, dass alle Menschen den Haupteingang benutzen können, im Kino nicht in der ersten Reihe sitzen müssen und öffentliche Nahverkehrsmittel ohne Strapazen in Anspruch nehmen können.

Die Aktion hat erneut gezeigt, wie viel Nachholbedarf die Stadt Aachen noch hat, um allen Menschen die eigenständige Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Sie war darüber hinaus ein interessanter und wichtiger Impulsgeber, für weitere Aktionen mit dem Ziel einer barrierefreien Stadt. Dabei sehen wir die Erfahrung, selbst mal im Rolli gesessen zu haben, sowie die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung als Schlüsselelemente an. Nur die eigene Erfahrung und das persönliche Gespräch können dabei helfen, die Probleme und Wünsche der Menschen mit Behinderung wirklich zu verstehen.

Eine abschließende Botschaft hatte auch der zweite Vorsitzende der Lebenshilfe Aachen für uns: „Wir müssen es schaffen eine Stadt für Alle und nicht eine Stadt für Menschen mit Behinderung zu errichten, das ist Inklusion.“ Denn geebnete Eingänge, elektrische Türöffner, breite Durchgänge und geräumige Sanitäranlagen sind in seinen Augen nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Menschen mit Kinderwagen eine Erleichterung.