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Pressespiegel Bildungsstreik 10.06.2010

Aus den Aachener Nachrichten vom 10.06.2010:
SPD gibt Demonstranten Rückendeckung

Aachen. Der Frust saß tief bei den Bildungsstreik-Organisatoren: Kaum mehr als 150 Demonstranten haben sie am Mittwoch auf die Beine bringen können, die bei strömenden Regen vom Super C am Templergraben zur SPD-Geschäftsstelle an der Heinrichsallee zogen.

Im November gingen noch deutlich mehr als 2000, im April immerhin noch 800 Schüler und Studenten auf die Straße, um gegen Studiengebühren und Kopfnoten und für ein gerechteres Bildungssystem Stimmung zu machen.

Die schlappe Teilnehmerzahl führte Mitorganisator und Abschlussredner Arno Börne in erster Linie aufs Wetter zurück. Er munterte die wenigen und völlig durchnässten Mitstreiter am Ende damit auf, dass sie im Laufe des mehrmonatigen und bundesweit angelegten Protests «schon einiges erreicht» hätten.

«Die Bildung ist in aller Munde», sagt er, und selbst die schwarz-gelbe Bundesregierung habe inzwischen eingesehen, dass trotz der Krise nicht an der Bildung gespart werden dürfe.

An den Grundforderungen der Bildungsstreikenden hat sich seit vergangenem Jahr dennoch nichts geändert: Kostenlose Ausbildung von der Kita bis zum Studium, kostenlose Lernmittel, Abschaffung der Kopfnoten, Rücknahme der verkürzten Abiturzeit, weniger Leistungsdruck im Studium.

Während der Demo skandierten die Schüler und Studenten: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.» Auf Transparenten hieß es: «Ohne Bildung sind alle doof» und «Rettet die Bildung, nicht nur die Banken».

Die SPD-Geschäftsstelle sei bewusst als Endpunkt der Demonstration gewählt worden, sagen Andreas Schmidt vom FH-AStA und Einhard-Schülerin Julia Merscheid. «Wir wollen sie an ihre Versprechen erinnern.»

Für Mathias Dopatka, bildungspolitischer Sprecher der SPD und selbst Mitglied beim Bildungsstreik, war das kein Problem. «Wir haben sehr große Schnittmengen», sagt er. Und so betonte er im Gespräch mit den Demonstranten, dass es bei den kommenden Koalitionsverhandlungen im Land auch um eine grundlegende Änderung der Bildungspolitik gehen wird. «Wir wollen keine faulen Kompromisse eingehen.» Neben der Abschaffung von Studiengebühren und Kopfnoten geht es der SPD auch um den Ausbau der Ganztagsschulen und die Berücksichtigung des Elternwille bei der Schulwahl für ihre Kinder.

Bereits kurz nach Mittag zerstreuten sich die Demonstranten, einige zogen sich wieder zum sogenannten Protestcamp am Super C zurück, wo sie noch bis Freitag für Bildungsreformen demonstrieren wollen.

Aus Sicht der Polizei ist die Demonstration völlig störungsfrei verlaufen, die Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt hielten sich in Grenzen. Und auch das zunächst befürchtete Gedränge im Hochschulviertel ist ausgeblieben. Trotz der Demonstration konnten mehrere 1000 Schüler ungehindert den Vorträgen beim Studieninformationstag der RWTH folgen.

Junge Union und RCDS gehen auf Distanz

«Mit dieser Art von Protest ist eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema kaum möglich», heißt es in einer Stellungnahme der CDU-Nachwuchsorganisationen Junge Union und RCDS zu dem aktuellen Bildungsstreik.

«Wir würden uns freuen, wenn die Protestierenden nach einer Woche Protestcamp eine einheitliche Liste von glasklaren Forderungen präsentieren können. Eine Liste mit konstruktiven Vorschlägen», heißt es in einer von Dominik Ben Klein und Markus Schmidt-Ott unterzeichneten Mitteilung.

Längst nicht alle Aachener Studenten teilen die Positionen der Organisatoren des Bildungsstreiks, sind Klein und Schmidt-Ott überzeugt. Die meisten seien mit der Verwendung der Studiengebühren zufrieden. Nur wenige Protestierende würden ihrer Meinung nach in überfüllten Hörsälen sitzen.


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Aus der Aachener Zeitung vom 10.06.2010:
Bildungsstau quer durch die Stadt

Aachen. Der imposante Bildungsstau reichte am Mittwoch vom Kaiserplatz über die Wilhelmstraße bis nach Burtscheid. So standen mittags deutlich mehr Autofahrer im Regen als Demonstranten im Protestmarsch. Dafür wurden die 150 Studierenden und Schüler erheblich nasser.

Aber die kleine Gruppe, geschützt von zig Polizisten, stapfte beim «Bildungsstreik» wacker vom «Protestcamp» am Templergraben quer durch die Kaiserstadt bis zur SPD-Parteizentrale an der Heinrichsallee. «Bildung für alle – und zwar umsonst!», skandierten sie. Und: «Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!»

Allzu laut ging´s dann aber doch nicht – die Lautsprechertechnik des Demowagens hielt den Wassermassen nicht stand. Organisator Jens Wegener machte neben dem Wetter auch den Studieninformationstag am Mittwoch für die schwache Teilnahme verantwortlich. «Alle Studenten haben heute frei, viele waren am Vorabend feiern und sind wohl nicht rechtzeitig um 10.30 Uhr aus den Federn gekommen», sagte er.

Zudem seien viele Mitstreiter von der Ignoranz der Politik frustriert. An der SPD-Parteizentrale suchte Ratsherr Mathias Dopatka (29) das Gespräch mit den Protestlern. Er betonte, dass die SPD bei einer Regierungsbeteiligung in Düsseldorf sicher daran festhalten werde, die Studiengebühren abzubauen.

Dennoch: «Der Protest ist noch nicht vorbei», rief Wegener seinen Mitstreitern zu. Er lud alle Interessierten zu Workshops in der Zeltstadt vor dem Super C ein. Um 11 Uhr debattiert man am Donnerstag über AStA-Arbeit, um 15 Uhr trifft sich das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren.

Gegen 23 Uhr will man den Film «Kick it like Frankreich» zeigen – und eine Doku über den Aachener Bildungsstreik vom April. Da hatten tausende Demonstranten bei strahlender Sonne ein Verkehrschaos ausgelöst.

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Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, Juni 10th, 2010 um 20:47 unter Aachen, Deutschland, Presse gemacht. Du kannst ihm per RSS 2.0 feed folgen. Du kannst einen Kommentar hinterlassen, oder von Deiner eigenen Seite trackbacken.

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