Videoüberwachung: Immer noch „Nein, Danke!“

von Halice Kreß-Vannahme und Tim Olschewski
 
Alle paar Jahre kommt wieder ein wahnsinnig kluger Polizeipräsident* auf den Trichter, dass es in der Innenstadt Aachens tatsächlich Orte und Ecken gibt, die einen Kriminalitätsschwerpunkt darstellen. Die Lösung ist dann auch immer sehr innovativ: Videoüberwachung.
Was vor ein paar Jahren schon beim Elisenbrunnen mehr als unerfolgreich war, soll  ab diesem Sommer am Bushof vor die Wand gefahren werden. 
Doch der Reihe nach:
Dunkel, verwinkelt und dreckig: der Bushof ist sicher kein Ort, an dem wir unsere Freizeit verbringen wollen. Er lässt sich aber leider kaum meiden, wenn man (abends) mit dem Bus nach Hause fahren will. 
Ein daher dringend notwendiger Umbau wäre eine große Herausforderung und ist bisher auch an hohen Kosten gescheitert. Eine Ausrede für fehlenden Handlungsbedarf bei der Sicherheit darf dies natürlich nicht sein. Der Vorschlag Kameras zu installieren, wird den Bushof jedoch weder gefühlt noch real sicherer machen. 
Denn: Kameras überwachen nunmal, sie schreiten nicht direkt ein, wenn eine Straftat begangen wird. So ist eine Videoüberwachung also nur dafür hilfreich, nachdem eine Straftat begangen wurde, diese aufzuklären. Und genau da liegt dann das nächste Problem: Normalerweise gucken Straftäter*innen nicht direkt in eine hoch oben befestigte Kamera, damit man sie nachher auch identifizieren kann. Selbiges ist der Polizei am Elisenbrunnen nach einiger Zeit auch aufgefallen und die teure Technik wurde wieder abgebaut. Hinzu kommt die oben bereits als problematisch beschriebene bauliche Beschaffenheit des Bushofs. Denn um wirklich alles dort im Blick zu haben, würden uferlos viele Kameras gebraucht werden.
Ein weiterer Grund: Durch die Kameras werden die Täter*innen nicht weniger kriminell. Sie werden ihre Machenschaften höchstens verlagern. Dann gibt es vielleicht keinen "Schwerpunkt" mehr. Aber die Anzahl der Delikte wird dadurch nicht weniger.
 
Was wir am Bushof brauchen sind dringend notwendige bauliche Maßnahmen. Als erster Schritt muss die Beleuchtungssituation verbessert werden. Außerdem sollten Schutzräume etabliert werden, die mit entsprechenden Notrufeinrichtungen ausgestattet sind, um Menschen die Möglichkeit zu gewährleisten in Sicherheit zu warten. 
Langfristig führt darüber hinaus kein Weg an einer großen baulichen Veränderung des Bushofs vorbei. Bei diesem zentralen Infrastrukturprojekt darf es keinen falschen Geiz geben. Zukunft gibt es eben nicht für lau.
 
Foto:Surveillance by Jonathan McIntosh (c)/ www.flickr.com/ https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/