Der Weltflüchtlingstag als Mahnung an unser Denken – weil es nicht um „die Flüchtlinge“, sondern um Menschen geht!

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von Tim Münster

Mit der Resolution 55/76 erklärte am 4. Dezember 2000 die UN-Generalversammlung den 20. Juni fortan zum weltweiten Tag des Flüchtlings. Seitdem begleiten diesen Tag zahlreiche Aktionen und Kampagnen, um auf die weltweite Situation von Geflüchteten und besonders ihre einzelnen Schicksale aufmerksam zu machen. „Wir stehen zusammen #withrefugees“ ist der diesjährige Titel der Kampagne des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, die die Regierungen der Länder zu einem solidarischen und verantwortungsvollen Umgang mit Geflüchteten aufruft.
Gewiss wird dieser Tag schon seit 16 Jahren begangen, allerdings befinden wir uns in dieser Zeit in einer besonders dramatischen Situation in Bezug auf Geflüchtete und ihre persönliche Situation: Weltweit befinden sich über 60 Millionen Menschen auf der Flucht und ihre Zahl steigt mit den zunehmenden Krisen und Konflikten, welche ihnen ihre Heimat rauben. In Europa, für viele Flüchtende das Ziel ihrer langen und gefährlichen Reise, erleben wir einen schockierenden Rechtsruck. Aus diesem geht eine immer größere Bewegung hervor, die diesen Menschen mit Hass begegnet. So weit, dass nun schon in Deutschland die eigenen Nationalspieler aufgrund ihres Migrationshintergrundes als schlechte Nachbarn beschimpft werden und das Abdrucken von ihren Kinderbildern auf Schokoladenverpackungen als voranschreitende Islamisierung gewertet wird.
Im Zuge dieser menschenfeindlichen Hetze stehen wir DemokratInnen in der Verantwortung jenem Rechtsruck entschlossen entgegenzuwirken und den Flüchtenden, die bei uns vor Krieg und Elend Zuflucht suchen, offen und herzlich zu begegnen. Wir müssen endlich ein Umdenken in den Köpfen der hier lebenden Menschen bewirken. Flüchtende sind nicht als eine große Masse von fremden Menschen zu betrachten, sondern im Gegenteil: JedeR FlüchtendeR hat eine eigene Fluchtgeschichte und einen berechtigten Grund warum er/sie alles hinter sich lässt um eine neue Heimat in Frieden und Freiheit zu finden. Hier geht es um Menschen, die vor ihrer Flucht oftmals ein völlig normales Leben geführt haben. Sie haben es verdient als normale Menschen und nicht als irgendein Flüchtlingsstrom behandelt zu werden.
Der Weltflüchtlingstag muss uns immer wieder aufzeigen, dass hinter jeder in den Nachrichten aufgeschnappten Zahl einzelne Menschen mit Gesichtern stehen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Abschottung und Ausgrenzung darf keine Antwort auf ihre Flucht sein, vielmehr gilt es ihnen in Europa Zuflucht zu geben und ihre Fluchtursachen zu bekämpfen.