10. Mai 2018 – Gedenktag zur Bücherverbrennung 1933

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt,
verbrennt man auch am Ende Menschen“

Heinrich Heine schrieb diese Zeilen zwar weit vor der Bücherverbrennung 1933, doch gelten sie uns heute nahezu prophetisch für die damaligen Geschehnisse im nationalsozialistischen Deutschland. Vor nun 85 Jahren warfen Studierende auf öffentlichen Plätzen im ganzen Land Werke von Autor*innen ins Feuer, deren Gesinnung nicht mit der nationalsozialistischen Auffassung des „deutschen Geistes“ übereinstimmte. Vorwiegend betroffen: jüdische, pazifistische oder marxistische Schriftsteller*innen.

Organisiert wurde die deutschlandweite Bücherverbrennung nicht etwa vom Propagandaministerium, sondern von der „Deutschen Studentenschaft“, der Dachorganisation der Allgemeinen Studierendenausschüsse, die vom Nationalsozialistischen Studentenbund dominiert wurde.

Die Autor*innen wurden auf diese Weise nicht nur öffentlich geächtet, ihnen wurde zudem die Grundlage ihres Lebensunterhaltes entzogen, denn mit der Bücherverbrennung ging auch ein Beruf- und Veröffentlichungsverbot einher. Gelang den Betroffenen nicht die Flucht ins Exil, endete es in Verfolgung und Inhaftierung.

Zu den Autor*innen, deren Werke verbrannt wurden, gehören viele, deren Bücher für uns heute alltäglich sind: Erich Kästner und Albert Einstein, Heinrich Heine und Nelly Sachs, Franz Kafka und Anna Seghers, Ernest Hemingway und Jack London, Bertolt Brecht und Sigmund Freud.

Aber auch außerhalb des Nationalsozialismus wurden und werden zahlreiche Werke aus verschiedenen Gründen verboten und auch Bücherverbrennungen finden im 21. Jahrhundert immer noch statt. 2001 ließ ein US-amerikanischer Pastor „Harry Potter“-Romane verbrennen, 2006 verbrannten zwei italienische Politiker ein Exemplar des Buches „Sakrileg“ von Dan Brown und wenig später wurde in Sachsen-Anhalt das Tagebuch der Anne Frank öffentlich und mit direktem Bezug auf die Bücherverbrennungen während des NS-Regimes verbrannt. Insgesamt 500.000 Bücher waren oder sind gerade irgendwo auf der Welt verboten und nachdem der jetzige US-Präsident Donald Trump Informationen zu Klimawandel und Umweltschutz auf der Internetseite des Weißen Hauses und der nationalen Umweltschutzbehörde löschen ließ, ist mittlerweile sogar von einer „digitalen“ Bücherverbrennung die Rede.

Auch oder vielleicht gerade in Zeiten wie diesen ist die Freiheit des Wortes uns nirgends auf Dauer garantiert.

Genau daran erinnerte auch das Kunstwerk „Der Parthenon der Bücher“, das im Rahmen der documenta im Jahr 2017 in der Kasseler Innenstadt auf dem Friedrichsplatz stand. Am Ort, an dem damals Nazis Bücher verbrannten, baute die argentinische Künstlerin Marta Minujín einen ganzen Tempel aus 100.000 Büchern, die zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten verboten waren. Jedes einzelne Buch war eine Spende von Institutionen oder privaten Leser*innen: ein kollektives Kunstwerk gegen Zensur. Als maßstabsgetreues Vorbild diente der Parthenon der Akropolis in Athen, der „Wiege der Demokratie“.

Jedes Jahr muss dieser Gedenktag uns daher bewusst machen, dass Zensur aus politisch-ideologischen Gründen nicht nur ein Thema für den Geschichtsunterricht ist. Noch heute sind viele Menschen davon betroffen – selbst in Ländern, in denen wir es nicht erwarten würden.