Die dürfen doch jetzt heiraten, was wollen die denn noch?

Warum der IDAHOBIT* auch noch nach der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe von Bedeutung ist

Am 30. Juni des vergangenen Jahres beschloss der Deutsche Bundestag mit 393 gegen 226 Stimmen, dass die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden sollte. Für viele Menschen war diese Entscheidung gleichzusetzen mit dem endgültigen Ende der Diskriminierung gegen Schwule und Lesben. Denn nach der Logik von Menschen, die sich nicht weiter mit queeren Themen auseinandersetzen, war ja die Ehe das, was von einem Großteil der schwul-lesbischen Gemeinschaft immer gefordert worden war. Doch meiner Meinung nach ist dies nicht die Realität. Die Öffnung der Ehe war zweifelsohne ein wichtiges Zeichen der Anerkennung von Familienmodellen, die von dem klassischen Mutter-Vater-Kind-Modell abweichen, doch es ist vermessen zu sagen, dass mit diesem Gesetzentwurf sämtliche Menschen der LGBTQIA*-Community plötzlich keine Diskriminierung mehr erfahren. Denn oft sind es Vorurteile und Barrieren in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürgern, die dann schlussendlich zur Diskriminierung im Alltag führen, gerade wenn Wörter wie „schwul“, „lesbisch“ oder „Transe“ im beleidigenden Sinne benutzt werden. Es geht also weiter darum, Barrieren in Köpfen abzubauen, aufzuklären und der Allgemeinheit klar zu machen, dass die Lebensmodelle anderer (solange im Rahmen des Grundgesetztes) sie nicht zu interessieren haben. Ich wähle diese Worte bewusst so harsch, denn nach wie vor versucht ein Teil der Öffentlichkeit zu reglementieren, wie eine Beziehung auszusehen hat und wie nicht. Viele Organisationen und einige Parteien setzen sich dafür ein, Minderheiten – z.B. Nicht-Heterosexuellen – weniger Rechte zu gewähren, und verstecken ihren Hass u.a. hinter Warnungen vor einer sogenannten „Frühsexualisierung von Kindern.
Wir Jusos kämpfen daher weiter dafür, dass jede*r in unserer Gesellschaft das Recht, sein Beziehungsleben so zu gestalten, wie es ihr*ihm beliebt. Egal, ob dies nun in einer polyamorösen oder einer monogamen Beziehung ist. Am Ende des Tages zählt nur, dass sich Menschen lieben und wertschätzen und füreinander da sind.

Ein weiteres Thema, dass nicht vergessen werden darf, ist die Thematik rund um das Wort Trans*. Auch hier muss kräftig weiter Aufklärung betrieben werden, damit Menschen, die sich nicht mit ihren angeborenen Geschlechtsmerkmalen identifizieren können, sich nicht vor einem Outing zu fürchten brauchen. Das heißt, dass gesellschaftliche Stereotypen abgebaut werden müssen und dass bürokratische Vorgänge abgebaut werden müssen und dass bürokratische Vorgänge vereinfacht werden müssen – zum Beispiel zur Namensänderung. Denn all diese gesellschaftlichen Hürden sorgen dafür, dass 40% der Transsexuellen in den Vereinigten Staaten einen Suizidversuch unternommen haben. In der Gesamtbevölkerung liegt diese Rate währenddessen bei 1.9%.

So bleibt abschließend nur zu sagen, dass der IDAHOBIT* nach wie vor wichtig ist um darauf aufmerksam zu machen, dass die LGBTQIA*-Community nach wie vor gegen Diskriminierung und Intoleranz zu kämpfen hat.