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Themenabend „Spätaussiedler nach 1993: Die Spätgeborenen und die Frage der Gerechtigkeit“
Seit der Reform des Bundesvertriebenengesetzes im Jahr 1993 gelten für die Anerkennung als Spätaussiedler strengere Voraussetzungen. Damals ging der Gesetzgeber davon aus, dass nach dem Ende der Sowjetunion die deutsche Sprache und Kultur in den Nachfolgestaaten frei und ohne staatliche Einschränkungen gepflegt werden könnten. Drei Jahrzehnte später zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Für viele junge Menschen deutscher Herkunft ist eine echte Bewahrung ihrer Sprache, Geschichte und Identität unter den Bedingungen der postsowjetischen Staaten kaum möglich gewesen.
Gerade die „Spätgeborenen“, also die nach 1993 Geborenen, stehen damit vor einer strukturellen Ungleichbehandlung: Obwohl sie Teil der deutschen Minderheit sind, verlieren sie oft jede Chance auf Anerkennung, weil ihnen aus politischen und gesellschaftlichen Gründen kein Raum zur Weitergabe der Kultur blieb. Assimilationsdruck, das Verschwinden deutscher Sprachräume und fehlende Fördermöglichkeiten haben über Generationen dazu geführt, dass ein großer Teil der Identität dieser Gemeinschaft verloren ging – nicht freiwillig, sondern weil es keine realistische Alternative gab.
Als sozialdemokratische Jugendorganisation ist es unsere Aufgabe, Gerechtigkeitsfragen offen anzusprechen und besonders die Perspektiven junger Menschen sichtbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um Rechtstitel, sondern um die Anerkennung einer historischen Verantwortung: Die deutsche Minderheit im postsowjetischen Raum wurde über Jahrzehnte staatlich unterdrückt, entrechtet und zur Aufgabe ihrer Identität gezwungen. Die Folgen wirken bis heute.
Wir möchten an diesem Abend gemeinsam diskutieren:
Wie hat sich die Situation der deutschen Minderheit seit 1990 entwickelt?
Welche Auswirkungen hatte der Assimilationsdruck auf junge Generationen?
Ist die geltende Rechtslage gegenüber den Spätgeborenen noch gerecht?
Welche politischen Lösungen wären sozial, verantwortungsvoll und realistisch?
Welche Rolle können Parteien, Jugendorganisationen und Zivilgesellschaft dabei spielen?
Unser Ziel ist es, Verständnis zu schaffen, Betroffene zu Wort kommen zu lassen und gemeinsam Ansätze zu entwickeln, wie mehr Gerechtigkeit für junge Menschen deutscher Herkunft erreicht werden kann.
Gäste des Projekts BVFG 1993 werden per Zoom zugeschaltet und berichten aus erster Hand über ihre Erfahrungen und die aktuelle Situation. Es besteht Gelegenheit für Fragen, Austausch und Diskussion.
Wir freuen uns auf eine solidarische, respektvolle und offene Gesprächsrunde. Wir treffen uns wie immer im SPD HQ in der Heinrichsallee 52, 52062 Aachen.
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